Umfrageergebnisse - Wo stehen die Unternehmen wirklich?
- 5. März
- 5 Min. Lesezeit

80 Unternehmen aus Arnsberg und Meschede haben sich beteiligt. Welche Erwartungen bestehen? Wo stehen die Betriebe beim Thema Nachhaltigkeit? Und welche Rolle wird der Kommune zugeschrieben?
Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der regionalen Unternehmensstruktur - mit klaren Hinweisen auf Handlungsfelder für Kommunen und Wirtschaftsförderung.
Die teilnehmenden Unternehmen sind überwiegend klein- und mittelständisch geprägt:
70 % beschäftigen weniger als 50 Mitarbeitende
nur 6 % haben mehr als 250 Mitarbeitende
Zugleich ist die Branchenstruktur breit gefächert – von Metall- und Kunststoffverarbeitung über Baugewerbe, Logistik und Großhandel bis hin zu IT, Chemie, Handwerk, Dienstleistungen und Gesundheitswirtschaft.
Nachhaltige Wirtschaftsflächen müssen dieser Vielfalt Rechnung tragen. Standardisierte Einzellösungen greifen hier nur begrenzt.
Nachhaltigkeit: Präsenz mit unterschiedlicher Verankerung
44 % der Unternehmen geben an, bereits eine verantwortliche Person oder Abteilung für Nachhaltigkeit zu haben. 40 % verfügen derzeit über keine formale Zuständigkeit.
Bei der strategischen Einordnung der Kreislaufwirtschaft zeigt sich ein ähnliches Bild:
49 % haben Maßnahmen umgesetzt, sehen jedoch weiteres Verbesserungspotenzial
38 % bewerten das Thema aktuell als nicht relevant
rund 7 % sehen ihr Potenzial als vollständig ausgeschöpft
Nachhaltigkeit ist damit in vielen Unternehmen präsent – jedoch unterschiedlich stark strukturell verankert.
Know-how: Unterschiedliche Ausgangslagen
48 % der Unternehmen verfügen über kein spezifisches Know-how zur Kreislaufwirtschaft im eigenen Haus. 15 % haben entsprechendes Fachwissen im Personalbestand, rund ein Viertel arbeitet mit externen Dienstleistern.
Diese Zahlen sind differenziert zu betrachten: Ein Teil der Betriebe ist stark dienstleistungs- oder digital geprägt, sodass klassische Stoffstromthemen dort nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bei materialintensiven Unternehmen zeigen sich hingegen Ansätze, die häufig noch nicht systematisch gebündelt oder strategisch weiterentwickelt werden.
Welche Materialien, Abfälle oder Nebenprodukte fallen regelmäßig an?
53 Unternehmen haben konkrete Angaben zu regelmäßig anfallenden Materialien gemacht. Das Spektrum reicht von klassischen Produktionsreststoffen bis hin zu rein bürotypischen Abfällen.
Besonders häufig genannt wurden:
Metallische Reststoffe (z. B. Metallspäne, Stahl, Aluminium)
Verpackungsmaterialien (Papier, Karton, Folien, EPS, Styropor)
Holz- und Kunststoffreste
Ergänzend werden, je nach Tätigkeitsschwerpunkt, Schmieröle, Kühlschmierstoffe, Batterien, Elektroschrott, Baustoffe oder gemischte Reststoffe genannt.
Obwohl die Befragung nicht gewerbegebietsspezifisch durchgeführt wurde, zeichnen sich kommunaltypische Stoffstrommuster ab. Einzelne Materialgruppen treten wiederkehrend auf und bilden damit eine sachliche Grundlage für mögliche Bündelungs- oder Koordinationsansätze – vorausgesetzt, organisatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind gegeben.
Kooperation und interne Nachhaltigkeitsmaßnahmen: Pragmatismus prägt das Handeln
Die Ergebnisse zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und zu internen Nachhaltigkeitsmaßnahmen ergänzen sich zu einem klar erkennbaren Muster.
Auf die grundsätzliche Frage nach regionaler Wiederverwendung oder gemeinsamer Verwertung von Materialien geben 13,8 % an, entsprechende Ansätze bereits umzusetzen. Mehr als die Hälfte (53,5 %) hält Kooperation grundsätzlich für denkbar, während 32,8 % sie aktuell nicht als relevant einstufen. Konkrete Planungen bestehen derzeit nicht.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Bereitschaft stark vom jeweiligen Kooperationsmodell abhängt. Besonders positiv bewertet werden pragmatische Ansätze: 40,9 % halten gemeinsame Entsorgungs- oder Recyclinglösungen für umsetzbar, wenn sie einen passenden Partner hätten. 27,3 % sehen Potenzial im Einkaufspooling von Energie oder Materialien und 29,6 % können sich die Nutzung gemeinsamer Infrastruktur – etwa im IT-Bereich oder bei Ladeinfrastruktur – vorstellen. Der Austausch von Know-how und Best Practices wird von 38,6 % als umsetzbar bewertet, 22,7 % setzen ihn bereits um oder planen konkret.
Demgegenüber werden stärker integrierte Modelle deutlich zurückhaltender bewertet. 70,5 % halten die gemeinsame Nutzung von Maschinen oder Anlagen für nicht relevant, 65,9 % sehen keinen Bedarf bei Abwärmeverbünden und auch Co-Working-Strukturen oder unternehmensübergreifende Fahrgemeinschaften werden überwiegend abgelehnt.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei den internen Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Operative, unmittelbar beeinflussbare Maßnahmen sind weit verbreitet: 63,6 % setzen Digitalisierung zur Ressourcenschonung um, 61,4 % Maßnahmen zur Abfallvermeidung und zum Recycling, 59,1 % Energieeffizienzmaßnahmen und 54,6 % allgemeine Nachhaltigkeitsaktivitäten. Auch nachhaltige Lieferketten (45,5 % mit Verbesserungspotenzial) oder Materialeinsparung (43,2 %) spielen eine relevante Rolle.
Deutlich geringer ist hingegen die Verbreitung formalisierter Steuerungsinstrumente.
43 % stufen das Monitoring von Nachhaltigkeitskennzahlen als nicht relevant ein, bei Energiemanagementsystemen sind es 45 %. Die Abwärmenutzung spielt für 52 % der Unternehmen keine Rolle – was angesichts der Branchenstruktur nachvollziehbar ist.
Zusammenfassend entsteht ein konsistentes Bild: Unternehmen handeln überwiegend pragmatisch. Maßnahmen werden dort umgesetzt, wo sie im eigenen Einflussbereich liegen, wirtschaftlich nachvollziehbar sind und organisatorisch überschaubar bleiben. Sowohl bei internen Prozessen als auch bei Kooperationen zeigt sich eine Präferenz für modulare, risikoarme und flexibel gestaltbare Lösungen. Tiefgreifende strukturelle Systeme – ob Managementinstrumente oder komplexe Verbundmodelle – werden deutlich vorsichtiger bewertet.

Hemmnisse: Wirtschaftlichkeit und Rahmenbedingungen entscheidend
Die genannten Hemmnisse zeigen, dass nachhaltige Maßnahmen und Kooperationen weniger am grundsätzlichen Interesse scheitern als an wirtschaftlichen und strukturellen Unsicherheiten.
Bei internen Nachhaltigkeitsmaßnahmen nennen 42 % unklare rechtliche Rahmenbedingungen als Hindernis, 35 % sehen keinen ausreichend erkennbaren wirtschaftlichen Nutzen. Technische Herausforderungen und fehlendes spezifisches Know-how spielen ebenfalls eine Rolle.
Im Bereich der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen steht die Frage der Rentabilität noch stärker im Vordergrund: 62 % nennen fehlende Wirtschaftlichkeit als zentrales Hemmnis. Jeweils 48 % verweisen auf rechtliche Unsicherheiten oder fehlende geeignete Partner, 43 % auf begrenzte zeitliche Ressourcen.
Insgesamt wird deutlich: Entscheidend sind transparente Rahmenbedingungen, nachvollziehbare Wirtschaftlichkeit und verlässliche Strukturen. Dort, wo diese gegeben sind, steigt die Bereitschaft zur Umsetzung deutlich.
Erwartungen an Kommune und Wirtschaftsförderung
Die offenen Antworten verdeutlichen, dass Unternehmen vor allem klare, verlässliche Rahmenbedingungen erwarten. Häufig genannt werden Bürokratieabbau, beschleunigte und digitalisierte Genehmigungsverfahren sowie transparente Fördermöglichkeiten, die in der Praxis tatsächlich nutzbar sind.
Mehrere Rückmeldungen verweisen zudem auf die Bedeutung wirtschaftlicher Anreize – etwa in Form steuerlicher Entlastungen, reduzierter Gebühren oder investitionsarmer Energielösungen. Dabei geht es weniger um pauschale Kostensenkung, sondern um planbare und tragfähige Rahmenbedingungen für nachhaltige Investitionen.
Ebenso wird eine stärkere Vernetzung gewünscht: Kooperationsnetzwerke, praxisnahe Beratungsangebote, Best-Practice-Beispiele sowie Unterstützung bei gemeinsamen Infrastruktur- oder Energieprojekten werden mehrfach angesprochen. Ergänzend werden nachhaltige Gewerbeflächen, Ladeinfrastruktur, Nahwärmelösungen und der Erhalt bestehender Infrastruktur genannt.
Insgesamt richten sich die Erwartungen weniger auf Einzelmaßnahmen als auf koordinierende Unterstützung, Transparenz und wirtschaftliche Umsetzbarkeit.
Was bedeutet das für nachhaltige Wirtschaftsflächen?
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen bereits operative Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen. Häufig fehlt jedoch eine systematische Einbettung oder überbetriebliche Verzahnung. Kooperation wird als grundsätzlich denkbar bewertet, bleibt in der Praxis aber auf ausgewählte, pragmatische Modelle beschränkt.
Der Handlungsansatz liegt daher weniger in zusätzlichen Einzelmaßnahmen, sondern in strukturellen Rahmenbedingungen: transparente Förderstrukturen, koordinierte Vernetzung, wirtschaftlich tragfähige Kooperationsmodelle und eine planbare Infrastrukturentwicklung.
Nachhaltige Wirtschaftsflächen entstehen damit nicht allein durch technische Lösungen, sondern durch Organisation, Moderation und klare Rahmenbedingungen.
Weiterführende Befragung – wir bitten um Ihre Unterstützung
Aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen wird bis zum 20.03.2026 im Rahmen einer Masterarbeit an der Fachhochschule Südwestfalen eine vertiefende Unternehmensbefragung durchgeführt. Ziel ist es, konkrete Synergien zwischen Unternehmen sichtbar zu machen und daraus praxisnahe Handlungsempfehlungen für nachhaltige Wirtschaftsflächen im Projekt NAWISWF abzuleiten.
Die Teilnahme ist freiwillig, alle Angaben werden vertraulich und ausschließlich anonymisiert ausgewertet. https://de.surveymonkey.com/r/?sm=rWe7QmpMJXiEDei_2BXE3TRd5pOcoBxjvYLs7V
Wir möchten die teilnehmenden Kommunen herzlich bitten, die Befragung in ihren Netzwerken und über ihre Wirtschaftsförderungsstrukturen zu teilen. Eine breite Beteiligung erhöht die Aussagekraft der Ergebnisse und stärkt die gemeinsame Weiterentwicklung nachhaltiger Unternehmensumfelder in der Region.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Bei Fragen zur Umfrage oder den Ergebnissen melden Sie sich gerne bei Merle Hoppe: Merle Hoppe, M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin - Projekt NAWISWF Fachhochschule Südwestfalen
Fachbereich Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften
+49 (291) 9910-4226



